wo der gelbe Ginster blüht...

Auf der Wildwiese und auf dem Weg zum Bodden blüht der Ginster in voller Pracht. Da fällt mir gleich eine Textzeile vom Ostseewellenlied - eines der bekanntesten norddeutschen Lieder - ein.
“wo de gäle Ginster bleught in’ Dünensand”

Den Text schrieb die pommersche Dichterin Martha Müller-Grählert als eine Hymne an ihre Heimat. Er wurde 1908 als plattdeutsches Gedicht in den damals bedeutenden „Meggendorfer Blättern“veröffentlicht. Die Melodie kam über Umwege später von dem Thüringer Simon Krannig.

Martha Müller-Grählert wurde 1876 in Barth geboren; ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Zingst in der Lindenstraße 7. In der Fremde aus Berlin unter Heimweh schrieb sie das Ostseewellenlied mit dem Titel "Mine Heimat" im vorpommerschen Platt. Auf dem Friedhof in Zingst befindet sich Ihr Grab mit der Inschrift: „Hier is mine Heimat, hier bün ick to Hus“.

Wo de Ostseewellen trecken an den Strand,
wo de gäle Ginster bleught in’ Dünensand,
wo de Möwen schriegen grell in’t Stormgebrus,
dor is mine Heimat, dor bün ick tau Hus.

Well- un Wogenruschen wiern min Weigenlied,
un de hogen Dünen seg’n min Kinnertied,
seg’n uck mine Sähnsucht un min heit Begehr,
in de Welt tau fleigen öwer Land un Meer.

Woll hett mi dat Läwen dit Verlangen stillt,
hett mi allens gäwen, wat min Hart erfüllt,
allens is verschwunden, wat mi quält un drew,
häw nu Fräden funden, doch de Sähnsucht blew.

Sähnsucht nah dat lütte, stille Inselland,
wo de Wellen trecken an den witten Strand
wo de Möwen schriegen gell in’t Stormgebrus;
denn dor is min Heimat, dor bün ickt tau Hus!

(Martha Müller-Grählert aus Zingst)


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